Andere Problem durch den Menschen
Die häufigste Todesursache für die Vögel im Konflikt Mensch - Albatros ist das Ertrinken am Haken einer der riesigen Fischerleinen, wie Ihr sicher schon gelesen habt. Doch das ist nicht das einzige Problem, welches Albatrosse mit uns Menschen haben. Hier sind ein paar Beispiele, wie wir Menschen durch unser Verhalten Albatrosse auch auf andere Weise bedrohen:
Strandende Schiffe, Pflanzendünger, weggeworfener Müll, Miltärische Stützpunkte,
ja sogar der Modegeschmack des Menschen
Wie könnten diese Dinge das Leben der Albatrosse beeinflussen? Überlegt mal und denkt Euch ein paar Sachen dazu aus, bevor Ihr weiter unten näheres zu den einzelnen Punkten lest. Vielleicht vermutet Ihr ja genau das richtige!
 

Strandende Schiffe
Die meisten der nordwestlichen Inseln Hawaiis, dort wo die Laysan- und die Schwarzfußalbatrosse leben, sind umgeben von Korallenriffen, deren Spitzen oft nur knapp unterhalb der Wasseroberfläche liegen. Unvorsichtigen Kapitänen kann es da schnell passieren, daß ihr Schiff aufläuft und an den Riffen leck schlägt. In einem solchen Fall retten sich die Überlebenden der Mannschaft natürlich auf die nächste Insel und warten dort auf ihre Rettung. Das kann eine ganze Zeit dauern und die einzige Nahrung, die man auf diesen Inseln findet, sind Robben, Schildkröten und - Na? Habt Ihr es geahnt? - Seevögel. Eine einzige Mannschaft, deren Schiff am Kure Atoll zerscholl, aß 7000 Seevögel, viele davon waren Albatrosse. Erst sechs Monate nach dem Unglück wurden sie gerettet. Aber auch andere Lebewesen, die so ein Schiffsunglück überleben, haben oft verheerende Wirkung auf Albatrosse. Allen voran sind hier Ratten und Hunde zu nennen. Auf Kure wurden auf diese Weise polynesische Ratten eingeführt, welche nun die Albatros-Populationen bedrohen, indem sie deren Eier fressen oder die Küken töten. Manchmal töten sie sogar erwachsene Albatrosse, welche gerade auf ihrem Nest sitzen und brüten. Ratten sind ÄUSSERST AGGRESSIV! Kürzlich gestartete Versuche, die Ratten auf dem Kure- und dem Midway-Atoll unter Kontrolle zu bringen, zeigen mittlerweile erste Wirkung: Die Populationen der verschiedenen Seevögel erholen sich langsam wieder. Glücklicherweise haben Ratten bisher noch nie die Insel Tern erreicht.

Weggeworfener Müll
Die verschiedensten Abfallstoffe, die wir täglich wegschmeißen, die in Ozeanen umhertreiben und die auf den Nistinseln der Albatrosse angeschwemmt werden, stellen eine Bedrohung für Albatrosse dar. Plastikmüll wird oft einfach über Bord geschmissen. Vieles wird auch von den Flüssen in die Ozeane geschwemmt. Albatrosse verschlucken solche Plastikstücke, die im Meer umhertreiben, auf ihren Beutezügen und verfüttern sie anschließend an ihre Küken. Einige Hundert Küken von Laysan- und Schwarzfußalbatrossen wurden auf verschlucktes Plastik hin untersucht. Zwei Drittel der Laysan-Küken und alle Schwarzfuß-Küken hatten Plastikmüll in ihren Mägen! Solche Plastikstücke verlangsamen oft das Wachstum der Küken und haben nicht selten tödliche Folgen. Das liegt daran, daß verschlucktes Plastik nicht verdaut wird. In den Mägen der Küken fand man beispielsweise Zahnbürsten, Kinderspielzeug, Flaschendeckel, Feuerzeuge, Pfeifen, Angelschnüre oder Handschuhe. Entweder halten Albatrosse solche im Meer treibenden Plastikstücke für Fische bzw. Tintenfische oder sie verschlucken sie aus Versehen zusammen mit Eiern von fliegenden Fischen, die sie auch essen und welche oft an schwimmenden Objekten festhängen.

Ein gestorbenes Laysan-Albatrosküken. Schaut mal,
was in seinem Verdauungssystem alles drin war;
Foto: Paul Sievert

Kürzlich haben 88 Nationen ein Abkommen unterschrieben, welches das Entsorgen von Plastikmüll auf See verbietet. Vielleicht hilft dieses sogenannte MARPOL Annex V Abkommen dabei, daß von den Albatrossen in Zukunft weniger Plastik verschluckt wird. Trotzdem wird es eine lange lange Zeit dauern, bis all der Plastikmüll, der bereits in den Ozeanen umhertreibt, abgebaut oder entfernt ist.

Neben Plastikmüll haben auch chemische Abfallstoffe wie Blei, PCB´s, DDT und Dioxine enorm schädliche Wirkungen auf Albatrosse. Albatros-Küken sind sehr neugierige Wesen. Befindet sich ein Haus in der direkten Umgebung des Nestes, werden von ihnen oft kleine Stücke abblätternder Wandfarbe aufgepickt und verschluckt. Das in den meisten Farben enthaltene Blei gelangt so in den Körper des Kükens, wird aus dem Magen ins Blut aufgenommen und verursacht schwere und irreversible Schäden am Nervensystem. Die Flügel hängen bald schlaff herab und wenige Tage später stirbt das Küken. Die Häuser auf Midway und Tern stellen so also eine dauernde Bedrohung für die Albatrosse dar. PCB’s, DDT und Dioxine sind sehr giftige Chemikalien, die inzwischen überall in den Ozeanen nachgewiesen werden können und die in zum Teil hohen Konzentrationen auch in den Beutetieren der Albatrosse vorkommen. Aktuelle Untersuchungen haben gezeigt, daß Albatrosse von Hawaii PCB- und Dioxin-Gehalte aufweisen, die für fischfressende Vögel erwiesenermaßen giftig sind.


Pflanzendünger

Der Vogelkot von Seevögeln ist sehr reich an Stickstoff und Phosphor und in einem Jahrhunderte dauernden Prozeß lagern sich unter den richtigen Bedingungen auf dem Boden Kotschichten - der sogenannte Guano - ab. Diese Guano-Schichten können einige Meter dick sein. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann die Pazifische Guano- und Düngerindustrie den Guano auf der Insel Laysan , welche etwa 320 Meilen nordwestlich von Tern liegt, abzubauen und diese Ablagerung als Dünger für Getreidefelder an Bauern zu verkaufen. Dieser Abbau war eine Katastrophe für die auf dieser Insel brütenden Albatrosse, schließlich mußten sie ihre lediglich 5,8 m² große Insel auf einmal mit 45 Leuten teilen. Und damit nicht genug, auch Herden von Maultieren, Kühen und Schweinen wurden auf der Insel angesiedelt. Doch das alles war noch nicht das schlimmste für die Albatrosse. Im Jahre 1903 führte der Leiter des Guano-Projektes Kaninchen auf Laysan und der nahegelegenen Insel Lisianski ein. Die Kaninchen vermehrten sich rasend schnell und fraßen auf was sie bekamen. Zwanzig Jahre später (1923) waren beinahe alle Pflanzen auf den beiden Insel verschwunden. Kein Albatros-Küken konnte mehr im Schatten einer Pflanze Schutz vor der prallen Sonne finden und so kamen viele um. Drei Vogelarten, die nur auf Laysan vorkamen, wurden bei dieser Katastrophe ausgerottet. Inzwischen - nachdem alle Kaninchen entfernt wurden - haben sich sowohl die Vegetation als auch die Bestände der Seevogelarten wieder erholt.
 

Kleider machen Leute
Zu Beginn dieses Jahrhunderts war es „in", Hüte mit Federschmuck zu tragen. Und mal wieder mußten die Albatrosse herhalten, denn viele der schönsten Federn kamen von ihnen! Zwischen 1903 und 1915 landeten mehrere Male Leute illegal auf den nordwestlichen Inseln Hawaiis und sammelten Albatros-Federn. Bei diesen Raubzügen kamen mindestens 1,3 Millionen Seevögel ums Leben, die meisten davon waren Albatrosse. Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Theodore Roosevelt, sah sich daher im Jahre 1909 dazu veranlaßt, diese Inseln als Vogelschutzgebiet auszuweisen.


Die Federdiebe verringerten die Zahl der Laysan- und Schwarzfußalbatrosse drastisch, noch viel schlimmer aber traf es die
kurzschwänzigen Albatrosse, die auf kleinen Inseln südlich von Tokyo (Japan) brüten. Einst waren die Kurzschwanz-Albatrosse die zahlenmäßig am stärksten vertretene Albatros-Art im Nord-Pazifik. Während einer Zeitspanne von nur 17 Jahren töteten die Federjäger etwa 5 Millionen Kurzschwanz-Albatrosse und brachten diese Art damit an den Rand des Aussterbens. Kein einziger Kurzschwanz-Albatros wurde in den Jahren 1935 bis 1945 gesehen. Erst in den späten 40er Jahren kehrten einige Paare auf ihre Heimatinseln zurück und begannen erneut zu nisten. Inzwischen besteht die Population, Dank der Anstrengungen von Hiroshi Hasegawa, wieder aus etwa 1000 Vögeln. Wir werden warten müssen, um zu sehen, ob sich die Population weiter erholt und ob sie jemals wieder ihre ursprüngliche Größe erreichen wird.


Kurzschwanz-Albatrosse
Foto: Hiroshi Hasegawa


Militärstützpunkte

Während des 2. Weltkrieges richteten die Vereinigten Staaten von Amerika sowohl auf Tern als auch auf dem Midway-Atoll Flugzeug-Stützpunkte für die Marine ein. Die Insel Tern verlor dabei völlig ihr natürliches Aussehen. Die Insel wurde mit geschredderten Korallen erweitert, die Vegetation entfernt und Gebäude und eine Lande- und Startpiste wurden gebaut. Kein Wunder, daß die meisten Seevögel während der vier Jahre, als die Insel vom Militär bewohnt war, nicht mehr nisteten. Erst nachdem die Marine die Insel geräumt hatte, kamen Albatrosse und andere Seevögel zurück und begannen erneut zu brüten. Auf dem Midway-Atoll (zwei Inseln dieses Atolls wurden als Marine-Stützpunkt verwendet) hingegen ließen sich die Albatrosse von den Truppen nicht beirren und brüteten munter weiter. Die landenden Flugzeuge hatten daher einige Probleme, denn immer wieder zogen die großen Albatrosse über der Landebahn segelnd ihre Kreise. Ein Zusammenprall konnte durchaus zum Absturz des Flugzeuges führen. Um die Zahl der Kollisionen zu verhindern, wurde die Zahl der Vögel drastisch reduziert. In einem einzigen Jahr zerstörten die Soldaten die Eier von 200000 Seevögeln unterschiedlicher Art. In den folgenden 10 Jahren töteten sie 5000 bis 25000 Albatrosse pro Jahr und zwar bevorzugt solche, die nahe der Landebahn brüteten. Mit derartigen Methoden wurde die Zahl der Albatrosse zwar herabgesetzt, Zusammenstöße zwischen Albatrossen und Flugzeugen verringerten sich aber nicht, denn Albatrosse aus anderen Inselregionen kreisten weiterhin über der Landebahn. Ein Glück für die Albatrosse, daß in den letzten 30 Jahren relativ wenige Flugzeuge nach Midway flogen und daß die brutalen Kontrollmethoden schließlich ein Ende fanden. Im Jahre 1993 wurde der Versorgungsstützpunkt der Marine auf den beiden Inseln des Midway-Atolls aufgegeben und vergangenen Juni wurden diese Inseln in das Schutzgebiet des Midway Atolls eingegliedert. Kollisionen zwischen Albatossen und Flugzeugen sollten nun wohl noch seltener sein und die Albatrosse von Midway haben sicher wieder ein längeres Leben!

Wie Ihr seht, kommt es in vielerlei Hinsicht zu starken Problemen zwischen Mensch und Albatros. Wer der Verursacher dieser Probleme ist, ist Euch sicher klar geworden.

 

Diese Abschnitte hat Paul Sievert verfaßt. Vielen Dank Paul!

 


 

This page was last updated on August 31, 1998 12:08 PM