Wie wir diese Studie durchführten


 

Wie der Name schon sagt, nistet der Galápagos-Albatros fast ausschließlich auf Galápagos, einer kleinen Gruppe vulkanisch entstandener Inseln im Ostpazifik, etwa 1000 km vom südamerikanischen Kontinent entfernt. Nur ganz wenige Paare haben ihr Nest auf der Insel "Isla de La Plata", kurz vor der ecuadorianischen Küste. Alle anderen - und das sind mehr als 99% der Vögel - nisten auf Española, der südöstlichsten Insel des Galápagos-Archipels.

1995 führten wir eine Satellitenstudie mit einigen Galápagos-Albatrossen durch, um zwei Hypothesen hinsichtlich ihrer Nahrungssuche zu testen. Während der Albatros-Nistzeit haben einige Leute bei Schiffsfahrten über den Ostpazifik fliegende Galápagos-Albatrosse vorwiegend in zwei bestimmten Gebieten beobachtet. Eines davon ist Galápagos mit näherer Umgebung, und zwar vor allem in der Nähe der westlichen Inseln dieses Archipels, nicht weiter als 200 km von Española entfernt. Das andere Gebiet liegt nahe der südamerikanischen Küste, in der Nähe von Peru und ist damit ganze 1500 km von Española entfernt. Das ist eine ganz schön weite Distanz ! Natürlich ist es viel praktischer für einen Albatros, während seiner Nistphase in die Fischgebiete der westlichen Inseln zu fliegen als den ganzen langen Weg bis zur Küste vor Peru zu nehmen. Es war also naheliegend zu erwarten, daß Mama und Papa Albatros ihre Fische und Tintenfische in der Nähe von Galápagos, nicht weit weg von ihrem Nest suchen. Unsere zwei Hypothesen damals waren also:

1. Die Eltern gehen in der unmittelbaren Umgebung von Galápagos auf Nahrungssuche
2. Die Eltern fliegen zur Nahrungssuche bis zur Küste von Peru

Um diese beiden Hypothesen zu testen, verwendeten wir auch damals Satellitensender. Die Daten von den Satelliten damals hätte zeigen können, daß:

1. keine dieser beiden Hypothesen richtig war; die Vögel bleiben zur Nahrungssuche weder bei den Galápagosinseln noch fliegen sie zur Küste von Peru; sie fliegen zu einem anderen Ort; oder

2. nur eine der beiden Hypothesen richtig war, oder aber

3. beide Hypothesen richtig waren.

Wissenschaftlich gesehen sind diese Hypothesen widerlegbar. Mit anderen Worten, es könnte gezeigt werden, daß sie falsch sind. Auf diese Art und Weise wird wissenschaftlich gearbeitet. Ein Forscher überlegt sich zu einem Problem erst eine oder mehrere Hypothesen. Deren Wahrheitsgehalt kann man aber nicht direkt beweisen, daher versucht der Forscher zu beweisen, daß die Hypothese falsch ist. Kann er nicht zeigen, daß die Vermutung falsch ist, dann hat er mehr Vertrauen in sie, sie ist wahrscheinlicher geworden. Die beiden Hypothesen, die wir aufgestellt hatten, waren widerlegbar (mit den Satellitendaten könnte einfach gezeigt werden, ob sie falsch sind).

Im April 1995 befestigten wir an fünf Vögeln von der Insel Española die Satellitensender. Drei Pärchen wurden ausgewählt und zwar jeweils an dem Tag, an dem das Weibchen das einzige Ei ins Nest gelegt hatte. Von zwei der drei Paare konnten wir Männchen und Weibchen fangen, beim dritten Pärchen bekamen wir nur das Weibchen. Einen Albatros zu fangen ist nicht besonders schwer, sie lassen einen Menschen sehr nahe herankommen, besonders dann, wenn sie auf einem Ei sitzen. Während einer den großen Vogel mit den Händen unter Kontrolle hielt, befestigte der andere den Sender mit Sekundenkleber an den Federn am Rücken des Vogels. Anschließend wurde der Vogel wieder zurück ins Nest gesetzt. So ein Satellitensender wog ungefähr 85 g und der Albatros hatte etwa 1-3% seines Gewichtes zusätzlich herumzutragen. Der Sender wurde mit ein paar danebenliegenden Federn zugedeckt, um den Strömungswiderstand beim Fliegen zu minimieren, trotzdem sah man einen deutlichen Hubbel. 

In den folgenden Tagen und Wochen notierten wir immer, wann die einzelnen Vögel unterwegs waren oder wann sie sich am Nest aufhielten. War ein Vogel am Nest, so kannten wir seine exakte Position und konnten so die Angaben des Satelliten genau überprüfen. Auf diese Weise konnten wir die allgemeine Genauigkeit der Satellitenmessung testen, an einer anderen Stelle wird dies genau erklärt. Bis zu acht Wochen lang (je nach Vogel) beobachteten wir diese fünf Albatrosse über Satellit und am Nest. Im Juni 1995 beendeten wir die Studie.